Abschied vom frei(t)raum!

Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, ist es sehr still um den frei(t)raum an der HU geworden. Hier unser Text mit einem kurzen Rundumriss zu den Ereignissen, den Hintergründen und warum alles am Ende eingegangen ist.

Der verlorene Frei(t)raum an der HU


Auf der Suche nach Selbstbestimmung im hierarchischen und monetarisierten Studienleben

Im vergangenen Jahr besetzten Menschen aus verschiedensten Kontexten den Kinosaal der Humboldt-Universität.
Über mehrere Wochen war es uns gelungen, diesen Raum offen für alle zu halten und einen Platz für selbstbestimmtes Lernen zu schaffen. Unabhängig von Professor_innen, Wirtschaftsprüfer_innen, Eliteauszeichner_innen, Hierarchien, Lern- und Leistungsdruck. Wir wollten gemeinsam dafür kämpfen, dass Bildung mehr als ein bloßes Blatt Papier mit einer Abschlussnote ist. Wir wollten dafür kämpfen, dass Bildung Selbstverwirklichung ist und auf gleicher Ebene passieren kann, nicht dogmatisch von oben herab.


Aber wir wollten dieses freiheitliche, selbstbestimmte Denken auf die Gesellschaft übertragen – eine libertäre Studierendenschaft kann es nur gemeinsam in einer libertären Gesellschaft geben. Wir sehen die Zeit gekommen mit Arbeiter_innen, Occupierenden, Schüler_innen und vielen anderen Menschen an einer Gesellschaft zu arbeiten, deren Mitglieder emanzipiert und gleichgestellt zusammen für ein gemeinsames Wohl streiten.
Dafür wollten wir einen Freiraum schaffen, das war unsere Motivation für die Kinosaal-Besetzung.

Rückhalt hat gefehlt
Leider ist die Begeisterung bei den Menschen im Kinosaal schnell verflogen. Viele Verfahrensfragen, die Ablehnung Einiger des gesamtgesellschaftlichen Anspruchs oder einfach das komplexe Konsensverfahren haben scheinbar viele abgeschreckt. Am Ende fehlten die Menschen, um wirksam Positionen erarbeiten und dafür einstehen zu können.
Dennoch haben wir nicht aufgehört, die Besetzung im Kinosaal weiterzuführen und weiterzustreiten. Um eine Kompromisslösung zwischen diesen Verbissenen und der Unileitung herbeizuführen und keinen Polizeieinsatz riskieren zu müssen (vielleicht spielte die Bewerbung als Exzellenz-Uni auch eine Rolle), bot der Uni-Präsident einen Raum zur eigenen Gestaltung und Nutzung an der HU an. Der Frei(t)raum war geboren.

Frei(t)raum: Offen für alle, die offen sind
Der Frei(t)raum war ein offener Raum für all diejenigen, die sich selbst verwirklichen wollten und dabei Respekt Anderen entgegenbrachte. Egal ob Studi, arbeitslos, Azubi, angestellt oder sonst was – alle konnten sich einbringen und waren willkommen.
In harter Arbeit gestalteten wir den Raum, stellten ein Cafe auf die Beine, boten eine Bibliothek an, veranstalteten Workshops und Seminare, machten Musik, Diskutierten – leider wenig beachtet von der Studierendenschaft. Dazu hatten wir zu wenig Aussenwirkung, zu wenige Flyer und Infomaterialien und zu wenig Zeit. Denn kurz bevor die Werbung losgehen sollte, verbat uns der Präsi wieder den Zugang.
Sein Vorwand: Wir hätten unerlaubterweise die Türschlösser unserer eigenen Tür ausgetauscht, wohl gemerkt nicht der Haustür (natürlich zählt auch nicht, dass wir uns streng an die Schließzeiten hielten), was im Widerspruch zu der Hausordnung gestanden haben soll.

Verlorene Freiräume – verlorene freie Träume
Natürlich bedauern wir diese Entwicklung, aber es waren viele Komponente, die dazu geführt haben. Dennoch können wir uns nicht des Eindrucks erwehren, dass der Uni-Leitung sehr daran gelegen war, dass wir so schnell wie möglich wieder aus der Universität abrücken. Private Großkonzerne, auf Leistung getrimmte Studienpläne und diskriminierende Bildungsblockaden gehören zum Alltag in unserem Bildungs- und Gesellschaftssystem.
Selbstbestimmte Freiräume und kritische Diskussionen sind nicht gern gesehen und werden bestenfalls an den Rand gedrängt. Monetarisierung des Alltags und Über-Individualisierung des/der Einzelnen stehen im Vordergrund um Geld zu machen und die Menschen gegeneinander auszuspielen. Wir wollen das nicht zulassen und werden uns weiter aktiv für ein selbstbestimmtes Leben und Lernen einsetzen und hoffen, dass viele sich unserem Einsatz anschließen.

Freie Träume brauchen freie Räume!

Die Frei(t)räumenden